Ein Anfänger entdeckt: Social Networks im Netz

14 Aug 2008
Von DaTom • Unterwegs im Netz.

Erfahrungen, Gedanken und Kommentar über Facebook

Freunde, Bekannte, Kollegen oder „Freunde“

Neulich war ich unterwegs. Als Internaut. Auch im Facebook. Und dort immer öfter. FB gilt gegenwärtig als Shooting Star der Social Networks. Ein Bekannter oder Freund lädt einem ein, mitzutun. Man meldet sich an und entdeckt andere bekannte Gesichter resp. Namen. Ein Klick, und man schickt eine Freundschaftseinladung. Der Empfänger erkennt das Gesicht oder den Namen, klickt, und schon ist man befreundet. Nicht befreundet im uns – im alten Europa – bekannten und gewohnten Kontext, sondern auf eine andere Art. Angelsächsisch. Halt anders. Oder?

Soweit so gut, denke ich. Jetzt bin ich also mit einem guten Teil meiner Bekannten virtuell befreundet. Dann mal schauen, ob ich noch den einen oder anderen Menschen meines realen Bekanntenkreises motivieren kann, dabei zu sein. Ein paar Klicks in den diversen Menschensuchmaschinen und ein wenig warten. Bald werden weitere Menschen die Freundesrunde erweitern.

Legales Stalking

Spass machen die Statusmeldungen. Gerade mal bei FB eingeloggt wird man gefragt, was man denn so tue. Nachdem man sich ob solcherart indiskretem Gehabe wieder gefasst hat, überwindet man seine natürliche Zurückhaltung. Man teilt also seinen Freunden mit wenigen Worten mit, was man gerade mache. Das geht von der wortwörtlichen Umsetzung wie „ich bin am arbeiten“, „gehe Mittagessen“ oder „muss lernen“ über Gefühlslagen „bin gelangweilt“, „aufgeregt“ oder „granatenstinkig“ bis zu philosophischen Kurzbetrachtungen eines aktuellen Ereignisses oder satirischen Kleinmanifesten. Ganz lustige Zeitgenossen überraschen uns auch mal mit Bekenntnissen über den Umfang und Qualität ihrer Intimhygiene. Wie auch immer. Wer einen echten Kontakt oder einfach nur mal wieder eine Mail bekommen möchte – ohne sich als Anbiederer outen zu müssen – lässt sich bei den Statusmeldungen etwas Originelles einfallen, Reaktionen bleiben selten aus. Wenn nicht beim ersten, dann sicher beim fünften Mal. Wenn dann aber immer noch nichts kommt, sollte man überprüfen, ob man vielleicht nicht ein wenig zu Originell agiert.

Überlegen wir mal. Ich habe jetzt also meine Bekannten an einem zentralen Ort versammelt. Ich weiss was sie tun, sofern sie ihre Statusmeldungen von Zeit zu Zeit aktualisieren. Ich weiss mit wem meine Bekannten befreundet sind. Gemeinsame Bekannte werden von FB ausgewertet und angezeigt. Eine bekannte Journalistin meinte kürzlich im „Das Magazin“, sie werde im Facebook so quasi zur Stalkerin ihrer Freunde. Das hat was. Es bleibt anzufügen, umgekehrt wird man ebenso gestalkt. Und trotzdem, FB Teilnehmer wollen das, nehme ich an.

Kommunikation, Gadgets, grosses Geld und Flirts

Die Möglichkeiten miteinander zu kommunizieren sind äusserst vielfältig: Statusmeldungen, Mail, Online-Chat, persönliche Pinnwände und Fotoalben. Dazu kommen viele Interessengruppierungen. Veranstaltungen mit Einladungsfunktionen. Man kann auch bei kleinen Spielen mitmachen. Sich gegenseitig Herzchen, Blumensträusse, Drinks, Umarmungen, Küsse und nahezu-nicht-jugendfrei-Sachen schicken. Virtuell natürlich. Diese Gadgets werden von Drittanbietern an FB angedockt. Diese wiederum finanzieren sich durch Werbung (Banners zum draufklicken und -loskaufen). Deshalb wird man bei Benutzung dieser Gadgets regelmässig und mehr oder weniger penetrant daran erinnert, seine Freunde einzuladen.

Ausgeklügelter sind Spiele, wo man seine Freunde sprich deren Fotos kaufen und wieder verschachern kann. Auch talentfreie Mitspieler haben die Möglichkeit, in kurzer Zeit Virtullionär zu werden. Witzige Zeitvertreiber sind die Flirthilfen; man klickt sich beispielsweise durch Hunderte von Bilderpaaren und entscheidet, wer besser aussieht. Bei Sonnenschein im Grand Café draussen sitzen und Menschen beobachten wäre wohl das reale Pendant dazu. Im Netz Gebauchpinselte klicken artig „Danke“, Verschmähte geben virtuelle Dresche. Eine andere Anwendung erlaubt das unverfängliche Flirten. Maulfaule, fantasielose aber willige Flirter können ihre Fragen ans Gegenüber via fixfertigem Katalog abfeuern. Passivkreativität. Aber egal, erzeugt wird Reaktion, Gegenreaktion, Gegengegenreaktion: Jetzt könnte es Zeit sein, die Maus Maus sein zu lassen und via Tastatur ein paar persönliche Zeilen zu schreiben. Voilà.

Aber auch im Facebook oder anderen Social Networks gilt. Wer nicht schreibt oder klickt, sich in irgendeiner Form bemerkbar macht, wird wie im richtigen Leben auf dem Sofa vor dem Bildschirm versauern. Allein. Das gilt wohl auch für diejenigen die glauben sich auch auf diesen Plattformen wie Rüpel zu benehmen zu können. Genau so schnell, wie man befreundet ist, kann eine Freundschaft still und leise aufgelöst werden. Ohne Schluss zu machen, einfach wegklicken. Eine letzte SMS zu schreiben ist ungleich anstrengender.

Prüfe wer sich bindet

Die Benutzung von Facebook ist völlig kostenlos. Es ist davon auszugehen, dass FB Werbeflächen verkauft, die mit den bekannten Banners ausgefüllt werden. Auch die Drittanbieter dürften sich nicht umsonst bei FB eingeklinkt haben. Für die Eigentümer von FB dürfte jedoch mittel bis -langfristig von grossem pekuniären Nutzen sein, dass man es geschafft hat, eine enorm grosse Anzahl Menschen an ihre Plattform zu binden. Im Gegensatz zu Foren, Dating- und Chatseiten bewegt man sich auf Facebook als Realperson. Nebst den schon bestehenden persönlichen Kontakten sind die Freunde der Freunde resp. die gemeinsamen Bekannten der Schlüssel zum Erfolg von FB. Sie sind nämlich die Referenz und Garant dafür, dass man sich auch mit eigentlich unbekannten Personen befreunden kann. Und seien wir doch ehrlich, irgendwann ertappt man sich, dass man beim Browsen auch mal schaut, wieviele Freunde dieser Mensch im Vergleich zu einem selbst hat. Beliebtheitswettbewerb.

Dadurch entsteht nicht nur die gewünschte Vernetzung, sondern auch eine unermesslich grosse Datenbank mit realen Menschen auf der ganzen Welt, deren Mailadressen, Telefonnummern, Interessen, politische und religiöse Einstellung, Lieblingsgetränke, -bücher, -filme und -fernsehsendungen, Fotos, zeitlichen Surfgewohnheiten, Typenvorlieben usw.. Der geneigte Leser wird nun erkennen, welche immense wirtschaftliche Interessen hinter dieser und ähnlichen Plattformen stehen können. Das ist der Deal. Wir dürfen umsonst und äusserst benutzerfreundlich unsere sozialen Kontakte hegen, pflegen und ausweiten. Dafür liefern wir die Daten, die der Industrie helfen Trends zu erkennen und die Märkte gezielter mit Gebrauchsgütern und Dienstleistungen zu versorgen. Die entsprechenden Verbraucherinformationen und dazu notwendigen Ressourcen können auf Dauer gezielter eingesetzt werden.

Wer jetzt in Panik ausbricht sollte sich vor Augen halten, dass in der Schweiz beispielsweise Coop und Migros mit ihren Karten (SuperCard und Cumulus) schon längst das Kundenverhalten erforschen. Der Deal entsteht aus Rückvergütungen dieser Detaillisten.

Also, wer wie ich kein Problem hat, einen kleinen Teil seines Daseins mit anderen zu teilen wird persönlichen Nutzen aus Facebook ziehen. Es müssen nicht unbedingt alle Informationen zur eigenen Person für alle sichtbar gemacht werden. Vorsicht bei der Bekanntgabe bestimmter Details ist – wie tausendfach abgehandelt – auch bei FB geboten. Bevor eine Freundschaftsanfrage positiv beantwortet wird, sollte man sich überlegen, mit wem man sich „befreundet“, und welche Informationen man dieser Person mit diesem Klick freigäbe.

Mit einem

LiebGrussVomTom

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3 Responses

  1. alwayslebowski

    habe den beitrag mit interesse gelesen und finde ihn spannend. trotzdem bin ich wohl nicht so schnell bei den fb-benutzern. irgendwie kommt mir das ganze noch etwas kindisch vor. wahrscheinlich so lange bis ich mich mal eingeklickt habe

  2. andreas

    wusste ich auch nich :), aber well analyzed :)

  3. the|space|cowboy

    Guter Start – weiter so! Wusste gar nicht, dass du dich so eloquent ausdrücken kannst ;-)

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