Sich ein Vorurteil bewusst machen!

19 Nov 2008
Von DaTom • Nachdenklichkeiten.

Eigentlich eine kurze Buchbesprechung

Mangelnde Sachlichkeit gebiert das Vorurteil

Gibt es irgendetwas, worüber du eine feste, unverrückbare Meinung hast? Natürlich hast du das, jeder von uns. Meinungen und Haltungen sind geprägt von Eindrücken, Erlebnissen, Erziehung, Prinzipien, Werten, Ethos, Bildung, Floskeln, Dogmen, Medien, Gesellschaft und vielem mehr. Nur allzu oft entstehen während dieser Prägungen Bilder, die meist ungewollt zu einer Haltung ohne jegliche Ratio führen. Dem Vorurteil. Der Vorverurteilung. Bar jedes besseren Wissens. Bequem weil unanstrengend. Das macht jeder von uns, irgendwann mal. Und ist auch nicht zu verurteilen. Schliesslich gibt es ja auch noch einen Instinkt. Gefährlich wird es nur dann, wenn aus der Vorverurteilung eine Bewertung eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen wird. Die eigentlich zu beurteilende Handlung, die Sache in den Hintergrund rückt.

Zum Buch

Neugier Respekt Wertschätzung Verstehen Wissen

Kann man damit etwas anfangen, ist der erste Schritt zu einer spannenden Reise schon gemacht. Beispielsweise gibt es wohl nirgends so viele Vorurteile gegenüber denen, die in einer anderen Religion ihre geistige Heimat finden. Hans Küng nimmt uns in seinem Buch Spurensuche Teil 2 mit auf die Suche nach Verbindendem und Trennenden dreier Weltreligionen: Judentum, Christentum und Islam. Das Paperback hat 200 Seiten und ist teilweise wunderschön illustriert. Der Schweizer Theologe und Professor Emeritus erläutert stets aktuell und sensibel, sowie frei von schwerer theologischer Terminologie, wie nahe diese monotheistischen Religionen sich doch sind. Dass unsere Grundwerte ihren Ursprung im nahen Osten und auch den gleichen Stammesvater, nämlich Abraham, haben.

Reines Machtstreben unter religiösem Deckmantel

Der Autor beantwortet nicht nur viele Fragen, sondern zeigt auch, dass viele Dinge unseres täglichen Lebens ihren Ursprung aus der Auseinandersetzung der verschiedenen Strömungen innerhalb der drei Religionen haben. Ebenso entdecken wir auch, wie oft Religiosität als Alibi für Machtstreben herhalten musste.

Eine freie Auswahl an Themen aus dem Buch

Mose als Urbild aller Propheten aller drei Religionen. Die Bewegung um den Juden Jesus Christus. Die viele Juden zu Juden-Christen und die nicht jüdisch Geborenen zu Heiden-Christen machte. Alle aber nach den Geboten der jüdischen Halacha lebten. Wie aus den Christen Katholiken wurden. Wann und warum das Christentum von seinen jüdischen Wurzeln befreit wurde. Was hatte der Beschluss zur Heiligen Dreifaltigkeit für Folgen. Ursprünglich gab es keine Hierarchie in der Kirche. Orthodoxe Kirchen im Osten. Römische im Westen. Die Rolle der Griechen. Entstehung unserer Schriften. Wer kam auf die Idee des Papsttums? Der Koran im Gegensatz zur Bibel als weitgehend interpretationsfreie Zone. Muhammad als Staatsmann und Heeresführer. Djihad heisst „Anstrengung“. Die Wichtigkeit des Säkularismus. Nur eine Minderheit der Juden trägt besondere Kleidung.

Fazit

Die Lektüre dieses Buches machte grossen Spass. Es war ständiger Begleiter auf unzähligen Bahnkilometern. Die Neugier, die „Anderen“ besser kennen zu lernen ist nur noch gewachsen. Bald wird auch der andere Teil von „Spurensuche“ über Hinduismus, chinesische Religion und Buddhismus seinen Weg ins heimische Büchergestell finden.

 

(Hans Küng, Spurensuche. Die Weltreligionen auf dem Weg 2, Judentum, Christentum, Islam. Piper Verlag.)

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