DaHorst # 1: Mann sein. Mann bleiben.

26 Sep 2008

Horst trifft sich vor dem Spiegel

Horst sass bei mir zum Bier. Horst ist einer meiner besten Freunde. Von denen hat man ja nicht so viele. Drum geniesse ich es dann auch, wenn er da ist.

Ü40 im Datingstress

Horst war aufgeregt. Weil er hatte ein Date vor sich. Mein Gott dachte ich, wie war denn das nochmal, als wir noch keine 40+ waren? Pause. Nö, die kleinen Hirnfilme bleiben aus. Wohl auch deshalb, weil wir uns damals mit 25 – also grad mal knapp Postpubertär – vermeintlich ständig zum Affen machten, uns diese Erlebnisse traumatisierten und in der Folge dazu dienten, den Friedhof des Verdrängens zu beleben.

Manneskörper als neuer Kriegsschauplatz der Lifestyle-Industrie

Zurück zu Horst. Er war verunsichert, er wusste nicht so recht was anziehen, wie duften, welche Haare entfernen, welche lassen. Finger- und Fussnägeloutfit. Man liest ja so viel, geschminkte androgyne Gestalten, dann wieder Machos. Neulich war da doch die Werbung für einen Rasierer. Nicht so ein gemeiner Gesichtshaarentferner, ein Bodygroomer. Weil Frauen in Umfragen bestätigen, Körperhaarlose hätten mehr Chancen auf dem Markt. Häh? Also ab an die Bar: „Hallo, ich bin der Tom, ich habe nur auf Haare auf dem Kopf und ein paar in der Nase“. Und Zack! Ab in die Kiste mit der Alten?

Ja und all die Kosmetika, die wir dringend nötig haben. Lässt uns frischer aussehen, nach einer durchzechten Nacht. Ist das eine Kampagne der Porzellanindustrie? Verkauf von zusätzlichen Waschtischen weil die Jungs bald gleich viel Zeit im Bad brauchen wie die Mädels? Klar doch, in Absprache mit der Kosmetikindustrie.

Ein Frage des Stils

Horst! sage ich. Kannst dich wieder beruhigen. Ein grosser Teil des Hypes ist schon wieder vorbei. Die Mädels in Deiner Zielgruppe, so von 38 – 44, haben die anderen Zeiten auch miterlebt. Und die meisten sehen das eher entspannt. Das Stichwort ist Authentizität. Du kannst einen noch so gestylten Menschen abgeben. Wenn du lediglich den Trends folgst und dir beispielsweise ein Hemd eng an den Körper bügeln lässt, ohne dich dabei auch nur annähernd wohl zu fühlen, wird man es dir von Weitem ansehen. Also, mach nur Dinge, von denen du überzeugt bist. Damit entwickelst du einen Stil. Deinen! Ich kann dir keinen Stil aufsetzen, Horst. Ich kann dir verraten, worauf es mir ankommt. Wie ich mich wohlfühle. Wie ich wahrgenommen werden möchte. Nur so.

Basics

So selbstverständlich es sich auch anhören mag, Selbst- und Körperbewusstein fängt bei mir mit der täglichen Hygiene an. Täglich duschen und Haare waschen ist ebenso Pflicht wie das in ebensolchem Rhythmus zu erfolgende Wechseln der Unterwäsche. Dazu gehören auch die Socken. Männerunterwäsche ist für mich schwarz, auch die Socken. Knöchel- oder Kniesocken zu tragen ist reine Geschmackssache. Löchrige, ausgewaschene, -geleierte und verfärbte Kleidung gehört entsorgt, also auch Oberbekleidung. Falls ich kurze Hosen trage, bleiben Socken im Schrank. Sind es dann Flip Flops oder Sandalen, ist die Stunde akkurater Fusspflege gekommen. Hornhaut weg, Nägel kurz gefeilt, regelmässig eincremen. Wie ich neulich erfuhr, rasieren Menschen schwarze Haare auf den Zehen weg. Geschmackssache. Keine French-Nails oder Polierfeilen. Das ist reines Mädelszeugs, ausser du heisst Bill, hast schwarze, abstehende Haare, bist geschminkt und trägst schwarzlackierte Fingernägel. Und das auch nur, weil wir nicht so genau wissen was ES eigentlich zwischen den Beinen hat.

Horst! Und wenn Du nicht genau weisst, wie du es machen sollst. Das mit den Füssen. Mach einen Termin bei einer Fusspflege, schau genau zu und lerne. Ach, und wenn Du schon dabei bist, gepflegte Fingernägel und Hände werden bemerkt.

Haare ja. Haare weg. Duft, ja gerne frisch.

Und jetzt zur Haarfrage. Grundsätzlich gilt. Wenn Haare, dann gepflegt. Gestutzt, gewaschen, gekämmt, gegeeelt, gewachst oderundoder gefönt. Achselhaare mag ich gestutzt. Wenn sie bei anliegenden Armen aus der Achselfalte wachsen ist das eher unappetitlich. Für mich. Dasselbe gilt für diejenigen, in deren genetischer Linie das Schutzfell der letzten Eiszeit noch programmiert und in voller Pracht entwickelt ist. Intimbehaarung dito. Wer das Gefühl mag, kann sich den Sack glatt rasieren. Aber aufgepasst, das ist nicht immer ganz unproblematisch. Klinge, Apparat: sie haben ihre Tücken. Selbst rausfinden härtet ab. Beine glatt rasieren, Brauen zupfen und permanentes Makeup machen nur die Mädels. Sonst niemand. Ok? Gut, ausser Bill vielleicht.

Männer dürfen auch duften. Wobei es nicht so wichtig ist ob Eau de Toilette eines Designer oder Rennfahrers, ein dezent parfümiertes Körperpuder oder schlicht der Duft gewaschener Haut. Dein Date mag das eine oder andere. Du wirst richtig liegen oder nicht. Nur, der Geruch alten Schweisses törnt alle ab.

Sei Mann. Sei Mensch.

Horst, vergiss nicht. Wir sind Männer. Das heisst nicht, dass wir im Restaurant das Revier um den Tisch herum markieren müssen oder unserer Angebeteten bei bester Gelegenheit einen Keulenhieb für den Abtransport in die Höhle verpassen müssen. Aber auch wir haben Gefühle und dürfen in der Zwischenzeit darüber reden; wenn wir wollen und können. Wir haben Sehnsüchte und Wünsche. Anspruchsdenken ist nicht den Mädels vorbehalten. Also, sei dir deiner selbst bewusst. Sei kein Bittsteller. Die Ausgangslage ist 50:50.

Und wenn alles nichts hilft, Horst. Die Zeit ist auf deiner Seite. Wir Jungs sterben ordentlich früher als die Mädels. Bleib also einfach gesund. Alles andere macht die Statistik.

Und dann war es still. Ich kannte Horst. Er dachte nach, brauchte Zeit. Keine Worte, kein Bier und im Fernseher kein Programm mehr. Horst ging heim.

LiebGrussVomTom

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One Response

  1. Hirnfilm ist ein geiles Wort. Aber so richtig geil!

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