Katholische Kirche und der Umgang mit der Pädophilie

19 Aug 2008
Von DaTom • Nachdenklichkeiten.

Weltfremde Kirchenräte in Murg/SG

Zusammenfassung der bisherigen Berichterstattung

Seit Monatsbeginn verbreiten die Medien, allen voran das Schweizer Fernsehen und der Blick Nachrichten über die Zusammensetzung des katholischen Kirchenrates einer kleinen Schweizer Gemeinde am Walensee im Kanton St. Gallen. Dort wurde vor Kurzem ein langjähriges Gemeindemitglied – Inhaber eines Schmuckgeschäftes – in den Rat gewählt. Wahlen, die im Normalfall höchstens innerhalb der Kommunikationskanäle der katholischen Kirche erwähnt, sonst keine weitere Beachtung finden.

Wäre da nicht die Tatsache, dass das neue Kirchenratsmitglied bekanntermassen Pädophil ist. Der Mann betreibt eine Homepage und bekennt sich dort unter seinem Pseudonym Tinjo offen zu seiner Pädophilie. Erst unter Druck der öffentlichen Berichterstattung hat die katholische Kirche, deren Vertreter den Mann zunächst verteidigten, wenig später den Rücktritt empfohlen. Tinjo verweigerte dies erst, änderte später seine Meinung und trat zurück. In zwei auf seiner Homepage veröffentlichten Briefen beschwert er sich über die mediale Hetzjagd und zeigt Verständnis für eine aus seiner Sicht „überforderte Öffentlichkeit“.

Tinjo ist gemäss den Ausführungen auf seiner Homepage ein lebenserfahrener Pädophiler, der für eine klare Trennung zwischen Pädophilie und Pädosexualität resp. Pädokriminalität einsteht. Er plädiert zudem für eine begriffliche und inhaltliche Gleichstellung der Pädophilie mit Hetero-, Bi- und Homosexualtität und die Ansicht, dass Väter auch pädophil seien, nur so sei die Liebe zu den eigenen Kindern möglich.

Kurz vor seinem Rücktritt wurde er aus einem in den 80er Jahren gegebenen Interview zitiert. Er gab zu, mit einem 15-jährigen sexuelle Kontakte gehabt zu haben. Kurz nach seinem Rücktritt wurde Tinjo anlässlich einer polizeilichen Hausdurchsuchung festgenommen. Er gab angeblich zu, strafrechtlich relevantes Material zu besitzen.

Kommentar

Meister der Verschleierung

Eigentlich sollte man auf die von Tinjo losgetretene Debatte in dieser Breite gar nicht eingehen. Dieser Mann hat sowieso eine schon viel zu grosse Plattform erhalten. Zugegeben, Tinjo ist sehr wortgewandt und versteht es meisterlich, Kritiker mit Wortklaubereien, einseitig ausgelegten „Statistiken“, langatmigen, nichtssagenden und pseudophilosophischen Betrachtungen sowie unsäglich penetranten Rechthabereien die Lust an der Auseinandersetzung zu verderben. Diese Schaumschlägerei hat nur ein Ziel: Sie soll verharmlosen und weichspülen und – weitaus unerträglicher – Pädophilie salonfähig machen.

Liebe, „Liebe“ und altersgemässe Abhängigkeiten

Die gemeine Liebe zwischen Eltern und Kinder ist rein, bedingungs- und endlos. Und die Kinder lieben ihre Eltern weil sie für sie da sind, sie füttern und versorgen, ihnen Spielzeuge kaufen, Auas verpflastern, sie trösten und das Leben lehren. Einfach gesagt, die Kleinen sind abhängig. Genauso wie sie von allen ihren anderen Bezugspersonen abhängig sind. Pädophile Erwachsene mit ihrer angeblichen Liebe zu Kindern nutzen diese Abhängigkeit aus Machtgier und zur eigenen sexuellen Lustbefriedigung aus. Für Pädophile sind Kinder nur bis zur Pubertät interessant. Solange also, wie Kinder erwachsene Menschen nahezug uneingeschränkt idealisieren. Danach erlischt diese sogenannte „Liebe“ zu den zunehmend eigenständigeren Kindern resp. Jugendlichen. Mit ihrer materiellen und aufmerksamer „Zuwendung“ machen sie die Opfer erst nur vordergründig glücklich. Im Hintergrund werden die Opfer zunehmend subtil zum Schweigen gezwungen und zu Schuldigen gemacht. Viel später erst begreifen die Kinder in bitteren und schmerzhaften Prozessen die Verletzungen ihrer persönlichen Integrität.

Der demaskierte Musterpädophile

Die Behauptung Tinjos, dass Pädophile wie er niemals straftätig werden, ihre Neigung nur in Gedanken ausleben und deshalb von den Pädosexuellen abzugrenzen seien, hat dieser Mann durch sein eigenes, nun aufgedecktes strafbares Handeln selbst ad Absurdum geführt. Ein Teil des aufgefundenen Materials ist gemäss Tinjo von strafrechtlicher Relevanz, sprich pornographisches Bildmaterial sexueller Handlungen mit Kindern. Hie und da wurde in der Vergangenheit bekannt, unter welchen Demütigungen, Qualen und Schmerzen diese Kinder von hochorganisierten Schänderringen zu reinen Sexobjekten degradiert werden.

Nochmals in Zeitlupe: Tinjo, der selbst ernannte Humanist, Moralist, Kinderfreund und Musterpädophile, Vaterdiskriminierer und Ex-Kirchenrat der katholischen Kirchgemeinde Murg ist nicht mehr einfach der unverstandene Mensch ohne Kleider unter Bekleideten, sondern einfach einer mehr, der im Glashaus mit Steinen wirft. Ob er dabei nackt oder bekleidet herumsitzt ist völlig unerheblich.

Kirche und Pädophilie ist im Vatikan Chefsache

Der amtierende Papst Benedikt XVI. hat die laufende Debatte um die Pädophilie innerhalb der katholischen Kirche zur Chefsache erklärt. Er liess Ankündigungen Taten folgen und entschuldigte sich anlässlich seiner Besuche in den Vereinigten Staaten und Australien bei den Missbrauchsopfern. Damit hat er ein unmissverständliches Zeichen gesetzt. Offizielle Entschuldigungen für Verfehlungen der katholischen Kirche sind bekanntermassen äusserst selten. Allerdings scheint dieses Zeichen bei den Vertretern der katholischen Kirche in der Schweiz nicht angekommen zu sein, oder wurde in seiner Tragweite einfach nicht verstanden.

Realitätsverlust im Schatten der Churfirsten

Nach den ersten Medienberichten hiess es aus Murg lediglich, man wisse seit Jahren um die Neigung Tinjos, sei aber von seiner Integrität überzeugt. Im übrigen sei ja auch nichts passiert. Diese letzte Äusserung des Murgers Kirchenratspräsidenten ist besonders erschütternd. Natürlich gilt auch in der Schweiz die Unschuldsvermutung. Wenn aber ein bekennend Pädophiler ein katholischen Kirchenamt übernimmt, ist das unerträglich, unsensibel, kirchenschädigend und – am schlimmsten – ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und deren Vertreter, die sich tagtäglich mit den Auswirkungen der allertiefsten Abgründe menschlicher Grausamkeit auseinander setzen müssen. Zudem werden die gegenwärtigen Bemühungen der Westschweizer Diözese unterminiert. Sie versprach Transparenz und solidarisierte sich mit den Opfern.

Die Angelegenheit darf nicht totgeschwiegen werden. Die katholische Kirche sollte ein Zeichen setzen und in einem einmaligen Effort Stellung beziehen.

Mit einem

LiebGrussVomTom

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2 Responses

  1. „LiebGruss an TOM!

    Ich war noch nie auf Ihrer sehr informativen und eigenwillig gestalteten Homepage und habe mich überall auf Ihrer Seite und den von Ihnen errichteten Homepages umgesehen und zum Teil auch eingelesen.

    Doch was mich und die auch mich betreffende Sache angeht, meine ich mich zu erinnern, dass ich zur damaligen Zeit Ihre Kritik an mir und meiner Homepeage schon irgendwo gelesen habe. Damals (im Jahr 2008) gab es ja viel Unruhe hier in meinem Dorf und den Medien bis weiter über die Kantonsgrenzen hinaus und sogar über die Landesgrenzen hinweg. In direkten Kontakt kam ich aber nur mit wenigen die mich kritisierten. Umso heftiger wurde aufgrund der in den Medien aufgebauschten Geschichte über den Kirchenrat in der kleinen Gemeinde am Walensee über das geschrieben, was auch Sie in Ihrem Beitrag (einseitig) kritisiert haben.

    Auf diesen Beitrag kam ich per Zufall, über den Titel: „Katholische Kirche und der Umgang mit der Pädophilie …“ weil ich unter „tinjo“ etwas suchte.
    Auf Ihrer Homepage las ich dann unter „Sich einVorurteil bewusst machen“ folgendes:

    „Mangelnde Sachlichkeit gebiert das Vorurteil
    Gibt es irgendetwas, worüber du eine feste, unverrückbare Meinung hast? Natürlich hast du das, jeder von uns. Meinungen und Haltungen sind geprägt von Eindrücken, Erlebnissen, Erziehung, Prinzipien, Werten, Ethos, Bildung, Floskeln, Dogmen, Medien, Gesellschaft und vielem mehr. Nur allzu oft entstehen während dieser Prägungen Bilder, die meist ungewollt zu einer Haltung ohne jegliche Ratio führen. Dem Vorurteil. Der Vorverurteilung. Bar jedes besseren Wissens. Bequem weil unanstrengend. Das macht jeder von uns, irgendwann mal. Und ist auch nicht zu verurteilen. Schliesslich gibt es ja auch noch einen Instinkt. Gefährlich wird es nur dann, wenn aus der Vorverurteilung eine Bewertung eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen wird. Die eigentlich zu beurteilende Handlung, die Sache in den Hintergrund rückt.“

    Doch die zwei letzten Sätze (in der Annahme, dass Sie dies geschrieben haben!)
    haben Sie sich selbst nicht zu Herzen genommen, sonst hätten sie nicht so über mich geschrieben und über die von mir in meiner Homepage zum Thema gebrachte Problematik so einseitig voreingenommen geurteilt.

    Sie übernehmen einfach die Vorurteile, die in den Medien auch jetzt noch (auch 10 Jahre nach dem damaligen „Skandal“ der in der Sache selbst mit immer wieder neuen „Skandalmeldungen“ wach gehalten wird und eine wirklich objektive Untersuchung und Beurteilung auch heute noch in den Medien fehlt und alle, die sich damit ernsthaft befassen oder davon betroffen sind, von den Meidien und der Gesellschaft ignoriert werden.)
    Nach dem, was Sie damals in dem hier erwähnten Bericht geschrieben haben, sind auch Sie nicht an Objektivität und wirklicher Befassung mit der Problematik bereit.
    Falls ich mich täusche und Sie in der Zwischenzeit auch auf diesem Gebiet etwas aufgeschlossener geworden sind, (wie Ihr Interesse auf so vielen Gebieten vermuten lässt), bin ich auch heute noch bereit, mit Ihnen zu diskutieren.
    (Das müssten Sie eigentlich sein, wenn es Ihnen ernst ist mit dem, was Sie geschieben haben: „Gefährlich wird es nur dann, wenn aus der Vorverurteilung eine Bewertung eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen wird. Die eigentlich zu beurteilende Handlung, die Sache in den Hintergrund rückt.“)

    Mit freundlichen Grüssen, Martin Joos (www.tinjos.ch) „

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