Je Afrika, desto Weihnachten

21 Nov 2008
Von DaTom • Wirtschaft.

Kampf um Spendenfranken mit Attacken aufs Schuldgefühl

Das Business mit dem schlechten Gewissen

Eines der untrüglichsten Zeichen für das Nahen der Weihnachtszeit ist die wachsende Anzahl Bilder vornehmlich von Kindern mit farbiger Haut. Im Fernsehen, den Printmedien und in Postwurfsendungen. Und da die Schweizer zu einem der spendenfreudigsten Völker gehören, dürfte ein kleiner Exkurs dazu die Qual der Wahl vielleicht ein wenig lindern.

Der „Unterschied“ zwischen traditionellen Hilfswerken und Paten-Organisationen

Natürlich müssen die Spendenorganisationen in geeigneter Form auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Es geht um viel Geld, um viele Organisationen. Das Gerangel um den Spendenfranken wird immer härter. Das spüren auch die traditionellen Schweizer Hilfsorganisationen. Denen machen beispielsweise die Patenschaften-Organisationen (PO) zunehmend zu schaffen. Diese meist aus dem Ausland stammenden Organisationen sind in den letzten Jahren im heimischen Spendenmarkt am stärksten gewachsen. Das Konzept der PO’s ist aus Marketingsicht bestechend. Anstatt mit dem Leid einer ganzen, aber anonymen Bevölkerungsgruppe in einer bestimmten Region den Freiwilligenfranken zu erwirtschaften, appellieren die PO’s an noch tiefere Instinkte. Sie präsentieren uns einzelne Kinder, mit Namen und persönlichem Schicksal, mit Deutschsynchronisation aus dem Off. Sie haben schmerzende und blutende Füsse, nach vielen Kilometern des Wasserholens. Nur ein Mensch mit einem Herz aus Stein fühlt sich dabei nicht in irgendeiner Weise berührt. Leid bekommt ein individuelles Gesicht, eine Geschichte.

Mediale Irreführung der Paten-Organisationen

Mit dem Abschluss einer Patenschaft bekommt man im ersten Augenblick suggeriert, man helfe diesem einen Kind. Aufgrund vieler Proteste jedoch wurden die Kampagnen leicht korrigiert und nun wird erwähnt, man helfe mit der Patenschaft nicht nur dem Kind, sondern dem ganzen Dorf. Vermutlich wohl der ganzen Region. Wäre dem nicht so, müssten die PO’s doch in der Lage sein, exakt zu benennen, wie viele Franken der jeweiligen Patenschaft effektiv beim Kind landen. Nicht? Tut aber niemand. Weil es gar nicht geht. Weil es gar keinen Sinn macht, einem einzelnen Kind eines armen Dorfes monatlich Geld zu schicken. Das damit künstlich geschaffene soziale Ungleichgewicht würde das Dorf innert kurzer Zeit ins Chaos stürzen. Diese sogenannten Einzelpatenschaften aus der medialen Darstellung gibt es deshalb wohl eher nicht. Zumindest ist es aufgrund des zweifelsohne notwendigen Betreuungsaufwandes schwer vorstellbar.

Letztlich doch kein Unterschied, oder?

Man wird also den keimenden Verdacht nicht los, und kommt irgendwann zur Erkenntnis, dass die PO’s die exakt gleiche Hilfe wie die anderen, minder plakativ agierenden Organisationen leisten. Diese Irreführung der Spender ist deshalb auch der Hauptgrund, weshalb den PO’s in der Schweiz die ZEWO Zertifizierung verweigert wird. Die Stiftung ZEWO informiert übersichtlich über andere Formen der Patenschaften auf ZEWOinfo Patenschaften im Ausland

Stiftung ZEWO

Die Stiftung ZEWO ist die schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen. Sie setzt sich für die Förderung von Transparenz und Lauterkeit im Spendenwesen ein. Sie prüft gemeinnützige Organisationen auf den gewissenhaften Umgang mit Spendengeldern und verleiht ein Gütesiegel, wenn ihre Anforderungen erfüllt sind. Zudem informiert sie über Wichtiges und Aktuelles rund ums Spenden. (Quelle: www.zewo.ch)

Weitere Hinweise für willige, liquide aber unsichere Spender

Lassen Sie sich nicht zum Spenden nötigen. Es ist Ihre freie Entscheidung, ob, wann und wem Sie etwas spenden. Seriöse Hilfswerke drängen nicht!

Überlegen Sie zuerst, wofür Sie spenden wollen. Welchen Zweck verfolgen Sie mit Ihrer Spende?

Fragen Sie sich vor dem Spenden, ob Sie auch genügend über die Institution und ihre Projekte wissen.

Schauen Sie sich den Prospekt an: Sind darin Zweck, Notwendigkeit und Umfang des Vorhabens beschrieben? Alle vertrauenswürdigen Hilfswerke geben gerne und kompetent Auskunft.

Wenn Sie an der Haustür, auf der Strasse oder am Telefon um Spenden gebeten werden, verlangen Sie im Zweifelsfall Unterlagen und einen Einzahlungsschein.

Treffen Sie eine Auswahl. Es ist besser, einige sorgfältig ausgewählte Werke mit einem etwas grösseren Geldbetrag zu unterstützen, als die verfügbaren Mittel auf mehrere Stellen zu verteilen. So kommt nicht nur ein grösserer Teil Ihres Geldes bei den Hilfebedürftigen an, Sie haben auch die Möglichkeit, sich intensiver mit den von Ihnen ausgesuchten Werken zu befassen.
(Quelle: www.zewo.ch)

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