Finanzcrash! Was ist da eigentlich passiert? # 2

25 Okt 2008

Ein Erklärungsversuch für Wirtschaft Newbies.

Was macht eine Bank eigentlich?

Die Bank vor der Erfindung des Finanzingenieurs

Die Schweizer Kantonalbanken haben schon längere Zeit eine hübsche Kampagne laufen, wo Menschen von Kindsbeinen an ihr Münz zur Bank tragen um dann später, im Erwachsenenalter, ihren Berufstraum verwirklichen konnten. So hatte man die Bank noch sehr lange im Bewusstsein. Man brachte sein Geld dorthin, bekam einen Stempel ins Sparbüchlein. Ende Jahr den Stempel für die Zinsgutschrift. Nun liess man das Geld in der Bank arbeiten. Es wurde das Geld der Sparer für die Vergabe von Krediten, im Besonderen für Hypotheken verwendet. Der Kreditzins ist natürlich höher, als derjenige, den ich ins Sparbuch gestempelt, also gut geschrieben bekam. Der Unterschied dieser Zinssätze ist Gewinn der Bank. Die Bank ist einfach gesagt Vermittlerin zwischen Sparer und Kreditnehmer. Ihre Provision dafür ist dieser Zinsunterschied.

Natürlich steht der Bank das Geld der Sparer nicht unbeschränkt zur Verfügung. Teil der Vereinbarung sind neben dem Zins auch die Bedingungen für die Rückgabe des Geldes an den Kunden. Um diesen Verpflichtungen jederzeit nachkommen zu können, muss das Institut ständig über genügend flüssiges Geld verfügen. Sie kann also nicht alles verfügbare Geld investieren. Diesen Zielkonflikt zwischen grösstmöglichem Anlageerfolg und möglichst kleiner Liquidität zu lösen ist des Bankers Kunst. Und auch dafür Sorge zu tragen, dass die investierten Summen zurückfliessen. Profunde Risikoabwägungen vornehmen zu können, ist notwendiger Charakterzug eines jeden kompetenten Bankers.

Verantwortung der Bank gegenüber ihren Sparern

Damit wird in aller Klarheit offenbar, welch Verantwortung der Banker gegenüber seinen Sparern hat. Und folgerichtig die Reaktion der Sparer, wenn auch nur der leiseste Zweifel an den Fähigkeiten des Bankers aufkommt. Neulich fragte eine besorgte Dame, ob ihr Geld auf der Bank X noch sicher sei. Gegenfrage: Hätte man sich vor einem Jahr nur annähernd vorstellen können, über diese Frage nachzudenken? Drum, schon die Frage enthält die Antwort. Das Vertrauen ist weg. Dermassen aufgeklärt wird diese Dame ihr Geld unverzüglich an einen Ort bringen, wo es zu 100% und nicht nur bis zu einer Höchstsumme von CHF 30’000 gesichert ist.

Die Bank von heute

Immer neue Dienstleistungen

Viele mögen sich noch erinnern. Ende des Monates gingen wir zur Bank, holten Geld ab, trugen es mit dem gelben Einzahlungsbüchlein samt grünen Einzahlungsscheinen zur Post und stellten uns dort in die Schlange. Wie übrigens noch in einigen ländlichen Gegenden. Heute mit roten Einzahlungsscheinen und den letzten Neuigkeiten für die anderen Freunde in der Schlange. Nach und nach führten die Banken den Zahlungsverkehr ein. Niedrig verzinste Gehaltskonten für Zahlungen und Daueraufträge. Goldvreneli. Krügerrand. Eidgenössische Obligationen mit Coupons zum jährlichen Ausschneiden und Einlösen. Am Schalter. Der mit der Zeit immer mehr vom Bildschirm mit Tastatur am heimischen Schreibtisch abgelöst wurde. Inzwischen hatte das Internet an Geschwindigkeit und Bedeutung zugelegt. Der Büchli-Sparer fing an sein Geld an die Börsen zu bringen. Zeitverschiebung wird zunehmend ein Thema. Die Asiatischen Börsen sind zum Frühstück schon voll in Fahrt. Gegen Abend werden Indizes wie Dow Jones oder Nasdaq zur immer vertrauteren Informationsquelle. Anglizismen halten mehr und mehr Einzug in die einstmals so Urhelvetischen Institutionen. Weil die grösseren der hiesigen Banken längst weltweit tätig wurden und dort im Ausland insgesamt mehr Mitarbeiter beschäftigen als in der Heimat. So verwundert auch nicht wirklich, dass beispielsweise der oberste Steuermann der Credit Suisse (früher Schweizerische Kreditanstalt mit den lustigen Skimützen) der deutschen Sprache kaum mächtig ist und bei Interviews vorsichtshalber nur Englisch spricht. Was mich übrigens heute immer noch irgendwie irritiert.

Guter Kredit – Fauler Kredit

Ein guter Kredit ist derjenige, der wegen guter Zahlungsfähigkeit des Schuldners pünktlich zurückbezahlt wird. Zinsen, Gebühren und Amortisationen fliessen regelmässig. Solch ein Kredit ist durch werthaltige Sicherheiten gedeckt. Bei Hypothekarkrediten durch die Immobilie selbst. Wegen des geringen Risikos des Kreditgebers sind diese Ausleihungen niedriger verzinst.

Je unsicherer die Zahlungsfähigkeit des Schuldners, der laufende Zahlungsfluss und der Wert der hinterlegten Sicherheit im Verhältnis zur Schuld ist, desto fauler der Kredit. Das Risiko für den Kreditgeber ist höher. Solche Kredite sind teurer. Die Bank sucht mit den höheren Einnahmen Ausfallrisiken zu decken, damit die Zinsmargen erhalten bleiben. Diese Berechnungen vorzunehmen ist bei den heutigen Banken Aufgabe grosser Risk Management Abteilungen mit hochqualifizierten Mathematikern.

Damit genug für heute

MitLiebGrussVomTom

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