50 – 50 und 50 = UBS AG

19 Nov 2008

Der Christoph Blocher soll wieder in den Bundesrat. Das Mediengetöse ist entsprechend laut. Übertrieben wie immer. Darum haben wir sie fast übersehen. Die Mitteilung der UBS AG. Man wolle künftig mit einem anderen Entlohnung- und Bonussystem erreichen, dass in der Bank wieder mit mehr Bodenhaftung geschäftet wird. Nachhaltigkeitsdenken soll die Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität ablösen. Klasse Idee. Finden die diversen Kommentatoren. Charakterbildung und Wertevermittlung über den Geldbeutel? Vom Saulus zum Paulus durch Änderungen im Arbeitsvertrag? Der Hans kann also doch noch lernen, was Hänschen nicht beigebracht bekam? Skepsis bleibt. Man hat ja nur die Köpfe entfernt, die stinkigen Reste der Fische blieben in den Führungsgremien. Peter Kurer zum Beispiel. Er lächelte uns bereits schon in uralten Geschäftsberichten der Bank entgegen.

In den letzten zwei Jahren wurden wir mit vielen und vor allem sehr grossen Zahlen konfrontiert. Milliardenbeträge wurden zur Gewohnheitssache. Vielleicht aber blieb dabei die Übersicht ein wenig auf der Strecke.

50 – 50 – 50 ist der Ausdruck der Leistungen der UBS Mannen in den Jahren seit 2001. Etwa 50 Milliarden Schweizer Franken betrugen die gesamten Abschreibungen der Bank als Folge ihrer Fehlinvestitionen in den US-Immobilienmarkt. Etwa 50 Milliarden Schweizer Franken betrugen die kumulierten Konzerngewinne der UBS AG in den Jahren 2001 – 2006. Um die 50 Milliarden Schweizer Franken betrug das Eigenkapital der Bank bei seinem Höchststand im Jahr 2006. Dieses bei einer Bilanzsumme von 2’272 Milliarden Schweizer Franken. Der Aktienkurs der UBS beträgt heute noch 16% des höchsten Standes im Jahr 2007. Soweit die Fakten.

Ein gestrenger, aber fairer und nüchterner Lehrer im KV Zürich Anfang der 80er Jahre (Heute: KV Zürich Business School) hätte dazu wohl folgendes gesagt: Die Riege um Marcel Ospel hat sämtliche seit 2001 erarbeiteten Gewinne vernichtet. Zudem haben sie in dieser Zeit ein Klumpenrisiko aufgebaut, welches das gesamte Eigenkapital der Bank umfasste. Die Bank hat eine bemerkenswert niedrige Eigenkapitaldecke. Offenbar hat niemand die Höhe dieser Investitionen mit den fundamentalen Bilanzwerten der Bank verglichen.

Vielleicht würde dieser Artikel gar nicht geschrieben, wäre das besprochene Unternehmen nicht eines, dass unter anderem tagtäglich über die Gewährung von Krediten an Unternehmen entscheidet, welche nicht mal im Traum daran denken dürften mit obigen Kennzahlen vorzusprechen. Sie müssten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, mit der Schelte vom Bankmenschen im Ohr.

Vielleicht ist er aber einfach zu Ehren eines älteren, weisshaarigen und leicht rundlichen Mannes, der Jahr für Jahr und nicht ohne Humor die Bankmanager an deren Generalversammlung mit kritischen und weisen Bemerkungen überzog. Und Jahr für Jahr mit einem milden Lächeln eben dieser Bankmanager bedacht wurde.
DaTom

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